Glücks­spiel

QUICK LINKS:

Was ist Glücksspiel?

Glücks­spie­le sind Spie­le, bei denen gegen Geld­ein­satz ein Gewinn in Aus­sicht gestellt wird, der vor­wie­gend vom Zufall abhängt und nicht vom Geschick oder den Ent­schei­dun­gen der Spieler*innen.

Dazu zäh­len Glücks­spiel­au­to­ma­ten, Sport­wet­ten, Poker, Rou­lette, (Rub­bel-) Lose, Lot­to und Bingo.

Glücks­spie­le kön­nen auch online gespielt wer­den, sind somit rund um die Uhr ver­füg­bar und haben kaum oder nur unzu­rei­chen­de Zugangsbeschränkungen.

Sport­wet­ten sind Wet­ten, bei denen Geld auf das Ein­tref­fen eines Sport­er­geb­nis­ses gesetzt wird. Sport­wet­ten wer­den ent­we­der zu fes­ten Gewinn­quo­ten von einem Buch­ma­cher ange­bo­ten oder zu varia­blen Quo­ten (Tota­li­sa­teur­wet­te). In Öster­reich fal­len Sport­wet­ten im Gegen­satz zu ande­ren Staa­ten noch immer nicht unter das Glücks­spiel­ge­setz, obwohl sie auf­grund des hohen Zufalls­fak­tors und Sucht­po­ten­ti­als wie Glücks­spie­le zu beur­tei­len wären. So kuri­os die Tat­sa­che klingt, gel­ten sie als Geschick­lich­keits­spiel in Österreich.

…und wie wirkt es?

Beim Glücks­spie­len fin­den im Gehirn ähn­li­che Pro­zes­se statt, wie beim Kon­sum bewusst­seins­ver­än­dern­der Sub­stan­zen. Es sind jene Berei­che des Gehirns betrof­fen, in denen vor allem der Boten­stoff Dopa­min eine Rol­le spielt. Dopa­min wird ver­stärkt beim Sex und bei ande­ren emo­tio­na­len Erleb­nis­sen, die mit Freu­de und Eksta­se zusam­men­hän­gen, aus­ge­schüt­tet. Dopa­min ist dafür ver­ant­wort­lich, dass wir Glücks­ge­füh­le emp­fin­den kön­nen. So wird beim Glücks­spie­len im Gehirn auch ver­mehrt Dopa­min ausgeschüttet.

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RISI­KO: No risk, no fun?

Im Glücks­spiel wer­den Span­nung, Ner­ven­kit­zel und Spaß gesucht. Der Reiz des erwar­te­ten Geld­ge­winns macht Glücks­spie­le so fas­zi­nie­rend. Die meis­ten Men­schen gehen damit ver­ant­wor­tungs­be­wusst um.

Glücks­spie­le kön­nen aber auch zum Risi­ko wer­den. Man­che Men­schen kön­nen mit dem Spie­len nicht mehr auf­hö­ren, es ent­wi­ckelt sich ein unwi­der­steh­li­cher Drang, immer wie­der zu spie­len, in der Hoff­nung, zu gewin­nen oder ver­lo­re­nes Geld zurück­zu­be­kom­men. Wenn Glücks­spiel zur Sucht wird, ver­spie­len Betrof­fe­ne sehr viel Geld mit ver­hee­ren­den finan­zi­el­len und sozia­len Fol­gen für sich und ihre Familien.

Die Glücks­spiel­stö­rung (Gambling Dis­or­der, on- und off­line) ist durch ein anhal­ten­des oder wie­der­keh­ren­des Glücks­spiel­ver­hal­ten gekenn­zeich­net und wird von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) als Abhän­gig­keits­er­kran­kung anerkannt.

Kenn­zei­chen dafür sind:

  • Ein­ge­schränk­te Kon­trol­le über das Glücks­spiel (zum Bei­spiel: Beginn, Häu­fig­keit, Inten­si­tät, Dau­er, Been­di­gung, Kontext)
  • Zuneh­men­de Prio­ri­tät des Glücks­spiels vor ande­ren Lebens­in­ter­es­sen und all­täg­li­chen Aktivitäten
  • Fort­set­zung oder Stei­ge­rung des Glücks­spiels trotz nega­ti­ver Konsequenzen

Das Spiel­ver­hal­ten führt zu star­kem Lei­dens­druck oder zu Beein­träch­ti­gun­gen in per­sön­li­chen, fami­liä­ren, sozia­len, schu­li­schen, beruf­li­chen oder ande­ren wich­ti­gen Berei­chen. Um von einer Glücks­spiel­sucht spre­chen zu kön­nen, müs­sen die­se Merk­ma­le in der Regel über einen Zeit­raum von min­des­tens einem Jahr zu beob­ach­ten sein.

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RECHT­LI­CHES: Was ist erlaubt – und was nicht?

In Öster­reich unter­lie­gen Glücks­spie­le dem Glücks­spiel­mo­no­pol des Bun­des. Das bedeu­tet, Geneh­mi­gun­gen für die­se Spiel­for­men wer­den öster­reich­weit nur vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finan­zen erteilt und kontrolliert.

Grund­sätz­lich gilt, dass Jugend­li­chen unter 18 Jah­ren der Auf­ent­halt in Wett­bü­ros, Casi­nos und ähn­li­chen Räum­lich­kei­ten ver­bo­ten ist und Glücks­spie­le und Sport­wet­ten unter­sagt sind.

Seit Mon­tag, 10. Juli 2023 ist die Teil­nah­me an sämt­li­chen Spie­len der Öster­rei­chi­schen Lot­te­rien ein­heit­lich erst ab 18 Jah­ren erlaubt. Die­se Maß­nah­me begrü­ßen wir im Sin­ne des Spieler*innen- und Jugendschutzes.

Trotz der recht­li­chen Beschrän­kun­gen haben Jugend­li­che jedoch häu­fig bereits viel frü­her Zugang zu Glücksspielen.

In den Bun­des­län­dern Ober­ös­ter­reich, Nie­der­ös­ter­reich, Stei­er­mark, Kärn­ten und Bur­gen­land dür­fen Glücks­spiel­au­to­ma­ten („klei­nes Glücks­spiel“), auch außer­halb von Casi­nos, betrie­ben wer­den. Der Zutritt zu Spiel­sa­lons ist erst nach Regis­trie­rung und ab 18 Jah­ren erlaubt.

Alle Glücks­spie­le wer­den auch online ange­bo­ten. In Öster­reich darf jedoch nur der Lot­te­rie­an­bie­ter „win2day“ Glücks­spie­le im Inter­net anbieten.

Den­noch fin­den sich im Inter­net tau­sen­de Sei­ten, auf denen man spie­len kann. Die­se wer­den von aus­län­di­schen Anbie­tern betrie­ben und sind ille­gal. Bei Online-Glücks­spie­len muss man eben­falls min­des­ten 18 Jah­re sein, die Kon­trol­len las­sen aber oft zu wün­schen übrig. Beim Spie­len auf aus­län­di­schen Glücks­spiel­sei­ten besteht außer­dem auch kei­ne Garan­tie, dass der erspiel­te Gewinn auch tat­säch­lich aus­be­zahlt wird.

Inter­na­tio­na­le Online-Casi­nos bie­ten bekann­ten Streamer*innen auf Gam­ing-Platt­for­men extrem gut bezahl­te Koope­ra­tio­nen an, um Casi­no­spie­le zu spie­len. Was Zuseher*innen bei der­ar­ti­gen Streams nicht erfah­ren, ist, dass die Streamer*innen nicht um ihr eige­nes Geld spie­len und dadurch nicht das Risi­ko von Geld­ver­lust haben.

In vie­len Com­pu­ter­spie­len wer­den eben­falls Glücks­spiel­ele­men­te ver­wen­det. Loot­bo­xen sind bei­spiels­wei­se vir­tu­el­le Beu­te­kis­ten, die ein oder meh­re­re Beloh­nun­gen beinhal­ten kön­nen, wobei Spieler*innen vor­her nicht sehen, was sie erwar­tet. Frei­schal­ten kann man die­se Schatz­kis­ten über Spiel­erfol­ge bzw. kön­nen sie gegen Geld erwor­ben wer­den. In man­chen euro­päi­schen Län­dern wie Bel­gi­en sind Loot­bo­xen bereits ver­bo­ten, da sie als Glücks­spiel klas­si­fi­ziert werden.

MYTHEN + FAK­TEN über Glücksspiel

Wir möch­ten Ihnen einen Ein­blick in die gän­gigs­ten Mythen über Glücks­spiel geben und Ihnen berich­ten, was wirk­lich hin­ter die­sen Behaup­tun­gen steckt.

Mit Glücks­spiel kann man schnell Geld verdienen.

FALSCH!

Glücks­spie­le sind eine Form der Unter­hal­tung, für die man zahlt. Anbie­ter von Glücks­spie­len ver­die­nen jedoch damit sehr viel Geld.

Die Chan­cen, beim Lot­to „6 aus 45“ min­des­tens drei Rich­ti­ge zu erzie­len, ste­hen gar nicht so schlecht.

FALSCH!

Die Chan­ce auf irgend­ei­nen Gewinn beim Lot­to beträgt mit einer Tipp­rei­he nicht ein­mal 2 %. Die Wahr­schein­lich­keit beim Lot­to, den Jack­pot zu kna­cken, liegt sogar nur bei 1:8.150.000.

Nach einer Ver­lust­se­rie erhö­hen sich die Gewinn­chan­cen. Daher soll­te man nach Ver­lus­ten unbe­dingt weiterspielen.

FALSCH!

Alle Ergeb­nis­se von Glücks­spie­len sind zufalls­ab­hän­gig. Aus vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­lus­ten oder Gewin­nen ist der zukünf­ti­ge Spiel­aus­gang nicht vorhersagbar.

Ver­lus­ten „hin­ter­her zu jagen“ ist ein Anzei­chen von Glücksspielsucht.

Nach­dem die Kugel beim Rou­lette zehn­mal auf „Schwarz“ gefal­len ist, erhöht sich die Wahr­schein­lich­keit, dass beim nächs­ten Spiel die Kugel auf „Rot“ fällt.

FALSCH!

Die Wahr­schein­lich­keit beim Rou­lette ist für jeden Spiel­aus­gang gleich, unab­hän­gig von den vor­he­ri­gen Spiel­aus­gän­gen. Auch beim 11. Spiel bleibt die Wahr­schein­lich­keit, dass die Kugel auf „Rot“ bzw. „Schwarz“ fällt, gleich groß.

Sport­wet­ten sind weni­ger gefähr­lich für die Ent­wick­lung einer Sucht. Durch spe­zi­fi­sches Sport­wis­sen ist die Vor­her­sa­ge leich­ter und damit die Gewinn­mög­lich­keit größer.

FALSCH!

Auch Sport­wet­ten sind Glücks­spie­le, wo der Zufalls­fak­tor aus­schlag­ge­bend ist.

Sport­wet­ten haben nach Spiel­au­to­ma­ten das zweit­höchs­te Sucht­po­ten­ti­al. Durch ver­meint­li­ches Fach­wis­sen wird das Risi­ko ver­harm­lost. „Siche­re“ Quo­ten brin­gen wenig Gewinn.

Geld­pro­ble­me und hohe Schul­den hal­ten spiel­süch­ti­ge Men­schen nicht vom Spie­len ab.

RICH­TIG!

Finan­zi­el­le Pro­ble­me sind eine Begleit­erschei­nung des Spie­lens. In der Hoff­nung auf eine Glücks­sträh­ne wird weitergespielt.

Glücks­spiel und Erziehung
Tipps für Eltern

Sei­en Sie Vorbild
Über­prü­fen Sie das eige­ne Spiel­ver­hal­ten und ver­zich­ten Sie beim Spie­len in der Fami­lie auf Geldeinsätze.

Ach­tung mit Rubbellosen
Oft kau­fen Eltern ihren Kin­dern Rub­bel­lo­se, da die­se harm­los wir­ken. Aller­dings kön­nen Rub­bel­lo­se die Fas­zi­na­ti­on für Glücks­spiel erst über­haupt wecken.

Bespre­chen und Infor­mie­ren
Bespre­chen Sie mit Ihrem Kind Alters­be­schrän­kun­gen und den Unter­schied zwi­schen Geschick­lich­keit und Glück. Wäh­rend sich Geschick­lich­keit trai­nie­ren lässt, hängt Glück vom Zufall ab und kann nicht ver­bes­sert werden.

Holen Sie sich Unter­stüt­zung bei Beratungseinrichtungen!

Tipps für Angehörige

Sehen Sie der Rea­li­tät ins Auge
Ver­harm­lo­sen und leug­nen Sie das Glücks­spiel-Pro­blem nicht. Spre­chen Sie mög­lichst offen über Ihre Sor­gen mit Men­schen, denen Sie vertrauen.

Akzep­tie­ren Sie Glücks­spiel­sucht als behan­del­ba­re Krankheit
Sie müs­sen akzep­tie­ren, dass Glücks­spiel­sucht eine behan­del­ba­re Krank­heit ist. Sie tra­gen kei­ne Schuld an der Glücks­spiel­sucht. Las­sen Sie Schuld­ge­füh­le und Selbst­vor­wür­fe los.

Finan­zen klären
Ver­schaf­fen Sie sich einen Über­blick über die finan­zi­el­le Situa­ti­on. Gewäh­ren Sie kei­nen Zugriff auf Ihr eige­nes Geld und über­neh­men Sie kei­ne Schul­den, Bürg­schaf­ten oder Rech­nun­gen. Schüt­zen Sie die Betrof­fe­nen nicht vor den Kon­se­quen­zen ihres Ver­hal­tens. Über­neh­men Sie nicht die Ver­ant­wor­tung für die nega­ti­ven Folgen.

Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Leben übernehmen
Sor­gen Sie für sich selbst. Ach­ten Sie auf Ihre eige­nen Wün­sche und Bedürf­nis­se. Neh­men Sie sich regel­mä­ßig Zeit für Ihre eige­nen Inter­es­sen und für Akti­vi­tä­ten, die Ihnen Freu­de und Spaß berei­ten. Pfle­gen Sie regel­mä­ßig Ihre Freund­schaf­ten und Kontakte.

Kon­se­quent sein
Ach­ten
Sie auf Ihre eige­nen Gren­zen und kom­mu­ni­zie­ren Sie die­se sehr klar. Kün­di­gen Sie nur Kon­se­quen­zen an, die Sie auch tat­säch­lich ein­hal­ten kön­nen. Spre­chen Sie kei­ne lee­ren Dro­hun­gen aus. Machen Sie den Betrof­fe­nen kei­ne Vor­wür­fe, son­dern erzäh­len Sie von Ihren Sor­gen. Geben Sie im Gespräch auch ande­ren The­men Platz.

Spre­chen Sie mit Ihren Kin­dern sen­si­bel und offen über das Problem 
Gera­de Kin­der suchen häu­fig die Schuld für Pro­ble­me in der Fami­lie bei sich. Spre­chen Sie sen­si­bel und offen mit Kin­dern über das Problem.

Ermu­ti­gen, Hil­fe in Anspruch zu nehmen
Wenn Betrof­fe­ne Bereit­schaft zei­gen, etwas gegen ihre Erkran­kung zu unter­neh­men, kön­nen Sie sie dabei unter­stüt­zen, Adres­sen von Hilfs­ein­rich­tun­gen aus­fin­dig zu machen und sie bei Bedarf zu einem ers­ten Gespräch beglei­ten. Sie kön­nen sich auch selbst Unter­stüt­zung bei Bera­tungs­ein­rich­tun­gen holen und dar­über spre­chen, wie Sie als Angehörige*r mit der The­ma­tik umge­hen kön­nen, um selbst nicht zu stark belas­tet zu werden.

Im Gespräch mit Betroffenen
Falls Sie einen Spiel­rück­fall ver­mu­ten: Spre­chen Sie Ihre eige­ne Unsi­cher­heit an und ver­mei­den Sie Vor­wür­fe. Spre­chen Sie über Ihre Beden­ken und Sor­gen in einem Moment, in dem es Ihnen mög­lich ist, ruhig zu blei­ben. Hal­ten Sie auch bei einem Rück­fall an vor­her ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen fest.

BERA­TUNGS­STEL­LEN

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